31/10/2014

Wochenendseminar Leine 2 bei Anton Fichtlmeier (AF)

„Die Leine als Nebensache“

Kritischer Blick

Am vergangenen Wochenende besuchten Susi und  ich ein weiteres Seminar bei Anton Fichtlmeier um noch mehr seine Philosophie „gegenseitiges Verstehen und füreinander Dasein sollte die Basis der Partnerschaft zwischen Hund und Mensch sein“ zu erfassen. 

Verstehen wir die Kommunikation zwischen den Hunden ?

Das Thema des Seminar war betitelt mit „Leine 2“ gedacht als Weiterführung des Seminars „der Hund an der Leine“. Nach kurzer Begrüssung brachte uns AF in Erinnerung, was die Leine für eine Bedeutung innerhalb der Arbeit nach „Fichtlmeier“ innehat, wie sie zur Nebensache wird und wie wir mit der Leine „kommunizieren“ können.

aufmerksame Zuhörer, Referent mit starker, tragender Stimme

Wer bereits an einem Seminar von AF teilgenommen hat weiss, wie viel Aufmerksamkeit die Teilnehmer aufbringen müssen um dem Referenten folgen zu können. Aufgrund seines immensen Wissens kann es schon passieren, dass er von Erklärungen der Führung der Leine ins Verhalten der Hunde, in jagdliche Bereiche oder in die Welpenerziehung switcht um dann wieder zurück bei der Erklärung der Leine eine Frage direkt an die Zuhörer zu stellen um deren Aufmerksamkeit zu überprüfen und eine Diskussion auszulösen. So verging der Morgen und dankbar über die Mittagspause atmeten wir alle tief durch.  

entspannte Hunde

Am Nachmittag liess uns AF das am Morgen und in vorangegangenen Seminaren gelernte mit unseren Hunden vorführen. Eine Teilnehmerin und mich holte er als Erste auf den Platz. Die uns gestellte Aufgabe bestand darin, dass die eine Teilnehmerin für die andere mit Hund eine Strecke „ausmessen“ und mit Stöcken begrenzen musste die die Beiden benötigen würden um:  das anlaufen, das laufen und dann das aufnehmen der Leine mit abstoppen durch Hand und „tap,tap,tap zum stehen und mit Körpersprache zum sitzen zu kommen. Der Hund sollte die Stöcke wahrnehmen und nicht darüber laufen. Für mich war erstaunlich, wie viel Mühe es bereitete, die Strecke richtig abzumessen und die Uebung zu erklären. Mir wurde bewusst, wie viel sich verwässert, wie nicht in ganzer Konsequenz die Uebungen erklärt werden. 

Distanzen abmessen, den Hund aufmerksam machen

AF schritt ein und übernahm die Aufgabenstellung die er dann für den jeweiligen Hund/Hundeführer anpasste. Durch seine Kommentare konnten wir erkennen, wie der Hund einen auf dem Boden liegenden Stock nicht als Grenze wahrnahm. Lernten, wie durch verschiedene Veränderungen seis Höhe, seis durch Seitenbegrenzung der Hund den Stock sofort anders oder genauer wahrnehmen konnte, durch verschiedene Höhen nacheinander zu mehr Aufmerksamkeit gebracht werden konnte. Spannend zu beobachten war, wie verschieden die Paare diese Aufgabe lösten und wie viel wir alle noch an unserem „handling“ zu arbeiten hatten.

aufmerksamer Hund, lockere Leine = Nebensache

Gleichzeitig wurde mir auch bewusst, dass uns AF vorführte, dass jeder Hund/Hundeführer die Aufgabe indiviuell lösen kann/muss und dass wir nicht einfach nur immer nach demselben „Muster“ unterrichten dürfen. AF gibt uns mit seiner „Methode“ ein Instrument in die Hand das wir von adagio über crescendo bis fortissimo spielen sollen, je nach Veranlagung des Hund/Hundeführers.

der Hund folgt der Körperbewegung, Leine locker

Dieser Tag verlangte alles an Konzentration von Susi und mir und so kamen wir fix und foxi im Hotel an. Nach einem geruhsamen Spaziergang mit unserem Quartett an der Leybach genossen wir ein gutbürgerliches Abendessen und durchliefen das gehörte und gesehene nochmals in reger Disskussion.

Ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen, einerseits weil ich all die Eindrücke verarbeiten musste andererseits weil 2 Reisegruppen Japaner ihrerseits ihre „Oktoberfest-Eindrücke“ besprechen mussten. Am nächsten Morgen liefen wir eine Stunde an der Leybach um unseren Hunden genügend Bewegung zu verschaffen bevor wir uns wieder auf dem Hundeplatz bei AF einfanden. Nach eindrücklicher Begrüssung folgte ein Referat über die Bedeutung des grünen und roten Bereiches, wie ein solcher Bereich definiert werden soll. Wie wichtig die klare Unterscheidung für den Hund sei, seis durch verschiedene Bodenbeläge, durch das bilden eines Kreises durch Menschen=grüner Bereich verlassen desselben=roter Bereich etc. Weiter auch wie wichtig Bleib 1/Bleib an meiner Seite innerhalb der Uebung grüner/roter Bereich ist. Weiter folgte das Bleib 3/Warte bis ich dich hole, der Aufbau und wie wichtig auch hier die Symbolik der Leine sowie die Körperhaltung/Handzeichen sind. 

bei jeder Uebung zuerst die Aufmerksamkeit des Hundes einfordern

Schnell war wieder Mittagszeit und bei einem guten Essen wurde weiterdiskutiert oder über das Gehörte auch einfach nur nachgedacht um sich Fragen für den Nachmittag zurechtlegen. 

Wieder zurück auf dem Hundeplatz wandte sich AF an jeden Teilnehmer um die angestauten Fragen zu beantworten. Viele Fragen zu verschiedenen Themen wurden beantwortet, nicht immer so wie sich die Fragesteller das vorgestellt hatten doch immer klar und ohne auf wenn und aber einzugehen. Bei der anschliessenden Verabschiedung zeigte AF einen kurzen Moment seine Betroffenheit und seine Empfindungen über seine jahrzehntelange Forschung/Arbeit an und mit den Hunden und wie wenig davon die Menschen aufzunehmen gewillt sind. Ich war tief betroffen und hoffe so sehr, dass ich noch oft die Möglichkeit haben werde, AF zuzuhören und zuzusehen und so von seinem immensen Wissen profitieren zu können.

Danke Anton Fichtlmeier auch im Namen meiner geliebten Whippets.